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Der körperorientierte Ansatz und die Bedeutung der Berührung

hand op schouder

Die Aufmerksamkeit für die “Psychologie des Körpers” in Bezug auf die Atmung, die Körpersprache (Körperhaltung, Gestik, Mimik, non-verbale Kommunikation, Blickkontakt etc.), die Bewegungskoordination etc. ist Teil körperorientierter und psychischer Interventionen und ist ein ständiger Fokus der Arbeit körperorientierter Psychotherapeuten. Die psychotherapeutische Arbeit mit dem Körper ermöglicht einen oft sehr unmittelbaren Zugang zur Emotionalität und zu unbewussten Prozessen, die dadurch einer auch psychischen Bearbeitung zugänglich gemacht werden können. Feinabgestimmte Körperarbeit fördert eine sichere und haltende therapeutische Umgebung. Sie bewirkt, dass die Beziehung zur TherapeutIn relativ schnell als „sicher“ und „vertraut“ erlebt wird.

Dies kann durch Berührungsinterventionen, die unter bestimmten Bedingungen, die unten ausführlich beschrieben werden, möglich sind, unterstützt werden.

Berührung stimuliert über die Haut den Tastsinn, das erste Sinnesorgan, das das Gehirn ab der 7. pränatalen Lebenswoche mit einem ständigen Strom von Informationen versorgt.  Kontaktvolle menschliche Berührung (aktives Berühren und passives Berührt-werden) fördert die Entwicklung des Körperbildes, bietet Erfahrungen von Symbiose, Begrenzung und Autonomie und unterstützt so die strukturelle Entwicklung der Psyche. Über direkten körperlichen Kontakt macht die Person wichtige Bindungserfahrungen. Die Qualität der Berührung zwischen Eltern und Kindern stellt einen äußerst wichtigen Faktor für die Bildung von Bindungsrepräsentationen dar, die die Erfahrung emotionaler und Bindungssicherheit ermöglicht bzw. behindert.

Berührung kann die Körperwahrnehmung fördern, sie kann als tröstend, Sicherheit bietend und entspannend erlebt werden, sie kann auch energetisieren und Gefühle, Bilder, Gedanken und Bewegungsimpulse stimulieren. Therapeutische Berührung kann auch korrigierende emotionale Erfahrungen bieten.

Berührung wird als angenehm erlebt, wenn die gegenseitige Abstimmung „in Kontakt“ mit dem anderen Individuum gelingt. Manche Formen unangemessener Berührung können darum als grenzüberschreitend und/oder gewalttätig erlebt werden. Dies muss bei der Nutzung von Berührungsinterventionen innerhalb eines psychotherapeutischen Prozesses unbedingt beachtet werden. Die Absicht der TherapeutIn ist dabei von großer Bedeutung.

Berührung und Übertragung

“Berührung” als Intervention (oder als Erfahrung des täglichen Lebens) kann bei KlientInnen positive und negative Assoziationen, heftige Impulse erst einmal unbekannter Herkunft, Regressionen und Übertragungsgefühle stimulieren. Es kann zu Schamgefühlen kommen, Über-Ich-Verboten, Abhängigkeitswünschen bzw. –ängsten, Suchttendenzen, Angst vor Entspannung und emotionaler Öffnung, Angst vor Missbrauch (von Macht, Sexualität, Gewalt etc.). Übertragungsgefühle, die sich zum Beispiel auf die „gute Mutter“ richten, können die Sehnsucht nach Berührung und Symbiose stimulieren. Manche KlientInnen können Berührung erst einmal nicht anders als erotisch oder sexualisierend erleben; sie sind nicht in der Lage, Bedürfnisse nach Sexualität von denen nach körperlicher und emotionaler Nähe zu differenzieren. Diese Beispiele zeigen, dass das  körperliche Erleben von Berührungsinterventionen im Hier und Jetzt beeinflusst wird durch Erfahrungen mit Berührung und damit verbundenen emotionalen Bedürfnissen aus der Vergangenheit. Damit können Berührungsinterventionen Erinnerungen und andere psychische Inhalte stimulieren und einer therapeutischen Bearbeitung zugänglich machen. Voraussetzung ist, dass Berührungsinterventionen immer eingebettet sind in einen psychotherapeutischen Prozess, in dem emotionale, kognitive und Verhaltensaspekte sowie Übertragungs- und Widerstandsanalyse mit einbezogen werden.

Wie bei der KlientIn können Berührungsinterventionen auch Gegenübertragungen bei der TherapeutIn auslösen. Besonders beachtenswert ist die Angst vor den Abhängigkeitswünschen der KlientIn und die damit verbundene Angst vor Kontrollverlust, die in der TherapeutIn stimuliert werden können. Um Gegenübertragungsgefühle, die auf eigenen, nicht durchgearbeiteten Defiziten beruhen, zu begrenzen, sind tiefgehende lehrtherapeutische Erfahrungen und Supervision unerlässlich.

Haltende Berührungsinterventionen 

Wegen der heilsamen Wirkung vor allem bei KlientInnen mit Bindungsstörungen und strukturellen Defiziten können haltende Berührungsinterventionen indiziert sein. Sie bieten korrektive emotionale Erfahrungen an und basieren auf der existentiellen Bedeutung der Berührung zu Beginn des Lebens. Während der haltenden Berührung stimmt die TherapeutIn ihre Atmung und ihren Körper (über vegetative Identifikation/Resonanz auf körperlicher, kognitiver und emotionaler Ebene) auf die Atmung und den Organismus der KlientIn ab. Das Ziel dabei ist, der KlientIn die Erfahrung zu ermöglichen, angenommen und willkommen zu sein, von einer anderen Person „gefühlt“ zu sein, sich im Kontakt entspannen zu können und mehr mit sich selbst und ihrer Innenwelt in Kontakt zu kommen. Das Ziel ist weiterhin, nicht nur emotionale, sondern auch physiologische und vegetative Ebenen in der Person zu beeinflussen, wie zum Beispiel die HPA-Achse oder andere neurologische und hormonelle Prozesse. Die therapeutische Praxis zeigt, dass dies in vielen Fällen möglich ist.  

„Berührung“ wird  in der nordeuropäischen Kultur, -nicht unwesentlich beeinflusst durch den amerikanischen Puritanismus-, oft misstrauisch beäugt und schnell mit Sexualität und Grenzüberschreitung assoziiert. Dabei wird die Bedeutung der Berührung für die Entwicklung des Menschen vollkommen übersehen. Diese Sichtweise geht einher mit einer gesellschaftlichen Überbewertung von Leistung, Geschwindigkeit, Fokussierung auf das Außen, Denken, Spannung und Erregung, also einer Überstimulation und Wertschätzung sympathischer vegetativer Funktionen. Unterrepräsentiert  sind parasympathische Fähigkeiten wie Entspannung, Langsamkeit, Fokussierung auf das Innen, Fühlen und Loslassen. Aus der Stressforschung ist bekannt, welche vielfältigen negativen Folgen diese einseitige Perspektive für die psycho-somatische Gesundheit des Menschen haben kann. Feinabgestimmte Berührungsinterventionen können hier einen wichtigen Beitrag leisten und zur Effektivität des therapeutischen Prozesses beitragen.

Besondere Aspekte der Behandlung strukturschwacher KlientInnen

Die therapeutische Praxis zeigt, dass therapeutische Berührung besonders bei strukturgestörten KlientInnen relevant ist. „Berührung“ ist bei diesen KlientInnen beinah immer „ein Thema“. Berührung ist dabei, wie oben schon erwähnt, mit existentieller Angst assoziiert: Der Versuch ihrer Bewältigung äußert sich in Symptomen wie u.a. in einem verzerrten Körperbild, Taubheitsgefühlen oder Gefühllosigkeit der Haut, dem Gefühl, dass der Körper offen ist und keine Grenze und Schutz bietet, Sexualisierung der Berührung, aufkommenden Gefühlen von Aggression und Gewalttätigkeit (die Berührung erinnert gewissermaßen an „gefährliche“ Bedürfnisse nach Nähe und Verbundenheit). Das schrittweise und dem therapeutischen Prozess und den emotionalen Möglichkeiten der KlientIn angepasste Angebot von therapeutischen Berührungen kann darum von großer diagnostischer und therapeutischer Bedeutung sein. 

Das wichtigste Prinzip in der Behandlung ist eine sichere therapeutische Beziehung, die korrektive emotionale Erfahrungen möglich macht: Die TherapeutIn bietet sich dabei an als „(gebär-)mütterliches“ Übertragungsobjekt, d.h. sie kann körperlichen und/oder psychischen Kontakt, Sicherheit, Kontinuität und Resonanz ermöglichen. Normale psychotherapeutische Settings, die vor allem basieren auf archetypisch männlichen Prinzipien kontrollierter Verhaltensänderung und reflektierender Bewusstseinsprozesse sind als Strategie hierfür nicht ausreichend. Klientenkontakte zwischen Sitzungen per Telefon, e-mail oder SMS können notwendig sein, um die symbolische ‘Nabelschnur’- Verbindung halten zu können. Um negative Übertragungen von Abbruch und Rückzug zu begrenzen, kann es in seltenen Fällen wichtig sein, dass die TherapeutIn von sich aus Kontakt mit der KlientIn aufnimmt.  

Neben der Erfahrung einer „guten“ und sicheren „gebärmütterlichen“ Beziehung ist es auch notwendig, an den (Todes-) ängsten und Widerständen zu arbeiten, die die Erfahrung einer potentiell positiven Erfahrung immer wieder torpedieren. Symptome wie Suchtverhalten, übermäßige Aggression, Depression, Isolation, Rückzug, aber auch Übertragungen auf die TherapeutIn oder andere wichtige Menschen, die sich zeigen in Misstrauen, Hass, Sexualisierung, übermäßigem Nähewunsch, Abbruch und Abspaltung von Kontakt und Kontaktbedürfnissen etc. müssen in diesem Sinne interpretiert werden.

Das bewusste oder unbewusste Bearbeiten symbiotischer Defizite bringt oft starke Spaltungen und Polarisierungen (Liebe-Hass, Macht-Machtlosigkeit, Autonomie-Abhängigkeit, Tötungs- versus Verschmelzungswunsch etc.) mit sich, die die therapeutische Beziehung manchmal auf die Probe stellen. Voraussetzung ist dafür eine starke therapeutische Beziehung, die immer wieder durch vielfältige positive Beziehungserfahrungen stabilisiert wird und auch durch das persönliche Umfeld der KlientIn (Partner, Freunde) akzeptiert und getragen wird.  Sie führt zu einem langsam fortschreitenden Heilungsprozess, der durch manchmal krisenhafte Phasen der Stabilisierung und Destabilisierung schließlich zu einer verbesserten Selbstakzeptanz und emotionalen Selbstregulation führt.

Haltende Berührungsinterventionen können bei der Bearbeitung früher Störungen eine wichtige Rolle spielen. Das so stimulierte Gefühl von (Bindungs-)Sicherheit macht eine korrektive emotionale Erfahrung auf auch unbewussten Ebenen möglich. Immerhin geht es um die basale und umfassende Veränderung der Physiologie (HPA-Achse) und der emotionalen Fundamente der KlientIn. Das Gehirn muss nicht nur auf kognitiven, sondern auch auf limbischen Ebenen stimuliert werden und neue Lernerfahrungen machen. Dass dies manchmal vollständig und oft teilweise möglich ist, belegen die Resultate vieler therapeutischer Prozesse.

Die Ethik der Berührung

Berührungsinterventionen können einen wichtigen Beitrag im Rahmen körperorientierter Psychotherapie liefern. Da sie noch wenig angewendet werden, haben sich psychotherapeutische Berufsordnungen mit den damit verbundenen speziellen Fragen noch wenig beschäftigt. Folgende Richtlinien für die ethische Nutzung von Berührungsinterventionen im Rahmen körperorientierter Psychotherapie sind verpflichtend: